Wenn Sie auf die erste Hälfte des Jahres zurückblicken: Was zählt zu den Glanzlichtern? Welche Momente oder Entwicklungen haben wenig Freude bereitet?
Matthias Winter: Die erste Jahreshälfte hatte wirklich viele Momente, auf die wir als Stadt stolz sein können. Ein ganz besonderes Highlight war die Abholung unserer zwei neuen Feuerwehrfahrzeuge: das LF10 für die Abteilung Oberndorf und das MLF für die Abteilung Aistaig. Das sind wichtige Investitionen in die Sicherheit aller Bürgerinnen und Bürger in unserer Gesamtstadt. Ich bin unseren 223 ehrenamtlichen Feuerwehrkräften mit unserem hauptamtlichen Stadtbrandmeister Manuel Suhr an der Spitze außerordentlich dankbar für ihr Engagement – sie leisten jeden Tag Unverzichtbares für unsere Gemeinschaft. Ich danke in dem Rahmen aber auch meiner Verwaltung für Ihre hervorragende Arbeit und dem Gemeinderat für die Beschlussfassung.
Ebenso freut mich mich der erfolgreiche Abschluss unseres Hochwasserschutzes in der Austraße. Das ist ein Projekt, das viele Jahre in Planung und Umsetzung war. Eine Gemeinschaftsmaßnahme von Land und Stadt, die unsere Bürgerinnen und Bürger dauerhaft besser vor Hochwasser schützt. Wer weiß, wie viel Herzblut, Koordination und Investition in diesem Vorhaben steckt, der versteht, warum dieser Abschluss für mich ein echter Meilenstein ist.
Im März haben wir außerdem gemeinsam mit dem DRK den Spatenstich für den Neubau der DRK-Rettungswache gefeiert. Eine funktionierende und moderne Rettungsinfrastruktur ist für eine Stadt wie Oberndorf unverzichtbar. Wir sind froh, dieses Projekt auf den Weg gebracht zu haben – es ist eine Investition in die Sicherheit und die Daseinsvorsorge aller Bürgerinnen und Bürger.
Ebenso freut mich der erfolgreiche Abschluss unseres Gesamtstädtischen Aktivierungskonzepts. Wir haben dieses Konzept gemeinsam mit der Bürgerschaft erarbeitet, mit Stadtteilspaziergängen in jedem einzelnen Stadtteil, Planungswerkstätten, einer Online-Befragung und intensiven Diskussionen. Dabei waren unsere Ortsvorsteher und Ortsvorsteherin von Anfang an eingebunden. Erste sichtbare Ergebnisse: Beispielhaft das erweiterte ÖPNV Angebot zusammen mit dem Landkreis, eine baldige E-Carsharing Station am Bahnhof oder die Neugestaltung und Begrünung des Schuhmarktplatzes, die auf den Weg gebracht ist. Sie sehen, es ist mir und meiner Verwaltung wichtig, die Themen rasch umzusetzen.
Ein Highlight, das weit über Oberndorf hinaus Aufmerksamkeit erregt hat: Am 26. Juni 2026 fand am Flugplatz Donaueschingen-Villingen der Maiden Flight – der Erstflug – des B-100C von Kaelin Aero Technologies statt. Kaelin Aero ist ein Oberndorfer Unternehmen, das mit diesem eigens entwickelten Flugzeug nach intensiver Entwicklungsarbeit einen echten technologischen Meilenstein erreicht hat. Das ist gelebte Innovationskraft direkt bei uns vor der Haustür – und ein eindrucksvoller Beweis, dass mein Motto „Wo Oberndorf ist, ist vorne" ganz einfach stimmt.
Ebenfalls ein starkes Signal für den Wirtschaftsstandort Oberndorf: Unser „Leuchtturm“ Heckler & Koch hat bekannt gegeben, in den kommenden Jahren rund 230 Millionen Euro in den Ausbau der Produktionskapazitäten, moderne Infrastruktur und die Weiterentwicklung der Standorte zu investieren – ein überwiegender Teil davon fließt direkt in den Stammsitz Oberndorf am Neckar. Mit einem Auftragseingang von 802 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2025 hat das Unternehmen Rekordzahlen erreicht. Heckler & Koch beschäftigt aktuell rund 1.350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon etwa 85 Prozent hier vor Ort. Das ist ein starkes Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort Oberndorf am Neckar.
Wir schätzen aber natürlich all unsere Unternehmen und Branchen in der Stadt und deren Innovations- und Wirtschaftskraft als Motor der Stadt. Wir werden als Stadt auch weiterhin ein verlässlicher Partner sein, der sein Gewerbe bestmöglich unterstützt.
Und die Grundlage für weiteres Wachstum haben wir bereits geschaffen: Das Gewerbegebiet „Im Vogelloch" in Bochingen bietet durch seine direkte Anbindung an die Autobahn A81 hervorragende Voraussetzungen für ansiedlungswillige und ortsansässige Unternehmen. Die Erschließung des Erweiterungsgebiets ist weitestgehend abgeschlossen und die Flächen stehen bereit. Für einen Standort mit dieser Autobahnlage und gleichzeitiger Einbettung in ein starkes industrielles Umfeld ist das eine echte Chance. Wir sind überzeugt: Wer hier investiert, investiert in eine der wirtschaftsstärksten Regionen Baden-Württembergs.
Was weniger Freude bereitet hat, war der Bürgerentscheid zur Windkraft im Gebiet „Wisoch" am 8. März. Nicht das Ergebnis als solches – das gehört zur Demokratie, und die Entscheidung der Bürgerinnen und Bürger wird selbstverständlich vollumfänglich respektiert. Was mich beeindruckt hat, war das außergewöhnliche Engagement: 1.329 gültige Unterschriften beim Bürgerbegehren, mehrere Informationsveranstaltungen, ein faires und konstruktives Miteinander. Der Gemeinderat hatte sich mit 13 zu 6 Stimmen für das Projekt ausgesprochen, das einen Beitrag zur Energiewende vor Ort leisten sollte und die nicht zu unterschätzenden zusätzlichen Einnahmen hätten in der aktuellen Finanzlage der Kommunen auch einer Stadt wie Oberndorf am Neckar gut getan. Das Abstimmungsergebnis war knapp und aus Sicht der Stadt und auch ich persönlich hätte mir ein anderes Ergebnis gewünscht. Aber: Die Demokratie hat gesprochen, und das respektieren wir.
„Was war Ihr schönster Termin in diesem Jahr?"
Matthias Winter: Das ist wirklich schwer zu sagen, denn jeder Termin ist auf seine ganz eigene Art besonders. Wenn ich ein Beispiel nennen soll: Der Besuch der Schülerinnen und Schüler der Ivo-Frueth-Schule im Rathaus hat mich sehr gefreut. Die Kinder waren so offen, neugierig und aufgeschlossen – solche Begegnungen machen mir bewusst, wofür wir bei der Stadt Oberndorf am Neckar täglich arbeiten.
Genauso schätze ich jeden Termin mit unseren Vereinen in der Kernstadt und den Ortsteilen – ob Jubiläen, Versammlungen oder Festlichkeiten das gesamte Jahr über, es ist viel geboten und das bürgerliche Engagement ist sehr hoch. Und die zahlreichen Gespräche mit unseren Unternehmen zeigen mir immer wieder: Oberndorf hat wirtschaftlich viel zu bieten – von den großen Industrie-Namen, Mittelstand bis hin zu aufstrebenden Innovatoren und Handwerksbetrieben. Aber auch unser Handel kann sich im Vergleich zu anderen Kommunen im Landkreis sehen lassen.
Und dann haben wir im Juni 2026 noch etwas gestartet, das mir sehr am Herzen liegt, weil es zeigt, dass Oberndorf auch in der Digitalisierung vorangeht: Auf unserer städtischen Webseite ist seit dem 17. Juni unser neuer KI-Assistent „O-KI" live – zugleich unser neues digitales Stadtmaskottchen. O-KI ist rund um die Uhr erreichbar, barrierefrei, mehrsprachig und hilft Bürgerinnen und Bürgern, schnell und unkompliziert Antworten auf ihre Fragen zu finden – ob zu Verwaltungsleistungen, Veranstaltungen, Baustellen oder Kindergartenanmeldungen. Wie ich bei der Einführung gesagt habe: „Mit O-KI gehen wir einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung einer modernen und zukunftsfähigen Verwaltung." Mir ist dabei aber wichtig zu betonen: Der persönliche Kontakt mit unserer Verwaltung bleibt selbstverständlich erhalten. O-KI ist eine Ergänzung, kein Ersatz.
Ein weiterer schöner Termin war der Tag der offenen Tür im SRH Krankenhaus am 19. Juli – mit zahlreichen Besucherinnen und Besuchern, die die Möglichkeit nutzten, ihr Krankenhaus hautnah kennenzulernen. Besonders gefreut hat mich, dass auch unsere Landtagsabgeordnete Lena-Maria Weiss und der Landtagsabgeordnete Stefan Teufel vor Ort waren – das ist ein klares Zeichen des politischen Interesses und der Wertschätzung für diesen wichtigen Standort. Und eine besonders herzliche Geste: Das Krankenhaus hat an diesem Tag die Einsatzkräfte der Feuerwehr bewirtet – ein schöner Ausdruck der gelebten Verbundenheit zwischen zwei Institutionen, die beide täglich für die Sicherheit und das Wohl unserer Bürgerinnen und Bürger im Einsatz sind. Das SRH Krankenhaus ist weit mehr als ein Gesundheitsdienstleister: Es ist ein unverzichtbarer Pfeiler unserer Infrastruktur und unmittelbar mit der Lebensqualität in unserer Stadt verknüpft. Ein Krankenhaus mitten in einer 15.000 Einwohner Stadt – das ist keine Selbstverständlichkeit.
„Welche Zwischenbilanz ziehen Sie zu den Bau- und Infrastrukturprojekten dieses Jahres? Wo geht's gut voran, wo hakt's?"
Matthias Winter: Auf der positiven Seite stehen mehrere Projekte, die sehr erfreulich voranschreiten. Die Ganztagesbetreuung an der Karl-Wider-Schule liegt voll im Zeitplan und wird pünktlich zum neuen Schuljahr fertig sein. Das wird eine direkte Verbesserung für Familien und Kinder in unserer Stadt. Die Umbauarbeiten für die Interimsunterbringung des Kindergartens am Rosenberg laufen ebenfalls planmäßig. Beim Schulverbund sind die Gebäude G1 bis G3 bereits fertiggestellt – Gebäude G4 wird bis Ende des Jahres fertig sein. Wir investieren dort rund 935.000 Euro in den Ausbau der Ganztagesbetreuung, der Bund fördert das mit 70 Prozent.
Sehr erfreulich entwickeln sich die barrierefreien Bushaltestellen: Seit dem 10. Juli laufen die Umbauarbeiten an den Haltestellen in Altoberndorf und Bochingen. Im Wesentlichen werden Niederflurbordsteine und taktile Leitelemente eingebaut. Gefördert wird das Vorhaben mit einem Gesamtvolumen von rund 192.500 Euro über das Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz mit 75 Prozent. Der Abschluss ist für August geplant. Das ist eine konkrete Verbesserung für alle, die täglich den Bus nutzen, besonders für Menschen mit Einschränkungen.
Beim Talplatz gehen die Bauarbeiten weiter voran, die ersten Bauabschnitte zur Sanierung und Neugestaltung dieses zentralen Platzes in der Talstadt sind in Durchführung. Das gibt der Talstadt ein neues Gesicht. Was mich auch in diesem Zusammenhang ausgesprochen freut, ist die Leistung unseres Amtes Planen und Bauen. Die Arbeit, die dort geleistet wird, ist für die meisten Bürgerinnen und Bürger weniger sichtbar, aber sie ist das Fundament für alles, was wir bauen und entwickeln. In diesem Jahr haben wir allein vier Bebauungsplanverfahren erfolgreich abgeschlossen und zwei Flächennutzungsplanverfahren zu einem guten Ende geführt. Dazu kommt der Abschluss des Gesamtstädtischen Aktivierungskonzepts, über das wir ja bereits gesprochen haben, sowie der Abschluss der Kommunalen Wärmeplanung und des Lärmaktionsplans der 4. Stufe: zwei strategische Grundlagenwerke, die die Entwicklung unserer Stadt in den nächsten Jahren maßgeblich prägen werden. Gleichzeitig laufen aktuell zwei weitere FNP-Verfahren, die noch in diesem oder Anfang nächsten Jahres abgeschlossen werden sollen, sowie sechs Bebauungsplanverfahren und insgesamt elf weitere laufende Projekte – von Verkehrsuntersuchungen über E-Car-Sharing bis hin zu E-Bikeladesäulen. Das zeigt: Wir stehen nicht still. Wir gestalten Oberndorf aktiv und systematisch für heute und für die Zukunft.
Was weniger einfach läuft: Der Umbau des Einwohnermeldeamtes zieht sich. Denkmalschutzauflagen verlangen uns hier einiges ab und bremsen den Prozess erheblich. Das ist frustrierend, aber rechtlich nicht anders zu lösen. Heisst wir haben schlicht keine andere Wahl, als die Anforderungen des Denkmalschutzes zu erfüllen. Das bremst uns zwar aus, aber wir werden das Projekt natürlich trotzdem realisieren.
Eine wirklich schwierige Situation hat uns das geplante Wohngebiet „Hinter der Kirche" in Hochmössingen beschert. Bei den Sondierungsarbeiten wurden unter anderem ein merowingerzeitliches Reihengräberfeld und weitere archäologische Befunde entdeckt. Das hat letztlich zur Aufhebung des Bebauungsplans geführt, weil eine wirtschaftlich vertretbare Umsetzung nicht mehr möglich war. Das tut weh – besonders weil wir die Wohnbauerwartungen der Hochmössinger Bürgerinnen und Bürger nicht erfüllen konnten. Aber wenn der Boden Jahrhunderte Geschichte birgt, sind die Hände gebunden. Unser Stadtplanungsteam unter Leitung von Amtsleiterin Lidia Melito-David hat unmittelbar nachdem der Befund im Ortschaftsrat und im Gemeinderat besprochen worden war, mit großer Professionalität und Schnelligkeit eine Alternativlösung erarbeitet, die nun in den kommunalpolitischen Gremien beraten werden kann. Dieses Beispiel zeigt: Wir lassen uns von unvorhergesehenen Rückschlägen nicht lähmen, sondern suchen rasch und konstruktiv nach Lösungen.
(Teil 2 des Sommerinterviews lesen Sie hier )